Rudelblick

Hundesprache richtig deuten: Warum der Kurs 'Körpersprache und Verhalten' für Tierschutzhunde lebenswichtig ist

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Hundesprache richtig deuten: Erfahrene Tierheim-Mitarbeiterin beobachtet Hunde

Es war ein nasskalter Nachmittag im letzten Februar, als ich hier am Küchentisch saß und mir die Video-Module von Desiree Scheller ansah. Draußen peitschte der Regen gegen die Scheiben, und mein alter Mischling, der damals als 'unvermittelbarer Beißer' aus einer Beschlagnahmung zu uns ins Münsteraner Tierheim kam, seufzte im Schlaf so tief, dass sein ganzer Körper bebte. Er hat in seinen ersten Jahren gelernt, dass Knurren nichts bringt, außer Schläge. Also hat er aufgehört zu knurren – und fing an zu beißen, ohne für den Laien erkennbare Vorwarnung.

Bevor wir tiefer einsteigen: Diese Seite enthält Affiliate-Links. Wenn du über einen dieser Links einen Kurs kaufst, erhalte ich eine Provision – ohne Mehrkosten für dich. Ich vergleiche hier nur Programme, deren Ansätze ich in über zwei Jahrzehnten Verhaltensabteilung im Tierheim hunderte Male in der Praxis gesehen habe. Volle Transparenz: Ich empfehle nichts, was bei einem traumatisierten Herdenschutzhund oder einem reaktiven Terrier am Gitter kläglich versagt hätte.

Das Alphabet des Hundes: Warum wir oft die falschen Vokabeln lernen

In meinen 22 Jahren im Tierheim habe ich oft gesehen, wie Menschen mit den besten Absichten einen Hund aus Rumänien oder Spanien adoptierten und nach drei Wochen verzweifelt bei uns anriefen. Der Hund sei 'hinterhältig' oder 'unberechenbar'. In 95 % der Fälle war der Hund weder das eine noch das andere. Er hat nur in einer Sprache kommuniziert, die der Mensch schlicht nicht lesen konnte.

Wer einen Hund aus dem Tierschutz übernimmt, muss verstehen, dass Ausdrucksverhalten bei Hunden oft so subtil ist wie ein kurzes Augenblinzeln bei uns Menschen. Der Kurs Körpersprache und Verhalten von Desiree Scheller setzt genau hier an. Es ist kein klassisches Training im Sinne von 'Sitz-Platz-Fuß'. Es ist eher eine Schulung der eigenen Wahrnehmung.

Ich vergleiche das oft mit der Arbeit in einem Pflegeheim für Demenzkranke. Man muss lernen, die Unruhe in den Fingern oder das leichte Zusammenkneifen der Augen zu deuten, lange bevor ein Patient laut wird. Beim Hund ist es das Züngeln (Licking Lips), das minimale Gewicht-Verlagern nach hinten oder das 'Einfrieren' (Freeze). Wer das übersieht, landet schneller beim Maulkorbtraining, als ihm lieb ist.

Die Realität am Küchentisch: Was der Kurs von Scheller leistet

Ich habe mir den Kurs Anfang März noch einmal genau angesehen, weil eine Freundin einen extrem ängstlichen Mastiff-Mischling in Pflege genommen hatte. Was mir gefällt: Scheller verzichtet auf dieses aufgeblasene Marketing-Gedöns. Sie zeigt Videosequenzen und analysiert sie. Punkt.

Besonders die Sektion über das Drohverhalten ist Gold wert. Viele Halter denken, ein Hund, der wedelt, ist freundlich. Dass ein hoch getragenes, steifes Wedeln kurz vor der Explosion stehen kann, wissen die wenigsten. Der Kurs kostet knapp über achtzig Euro. Wenn man bedenkt, was eine einzige Trainerstunde vor Ort kostet, ist das eine Investition in die Sicherheit.

Aber – und das ist mein 'Aber' aus 22 Jahren Tierheim: Dieser Kurs ist die Basis. Er ist das Alphabet. Wenn du einen Hund hast, der bereits eine massive Ressourcenverteidigung zeigt oder bei dem die Behörden bereits Auflagen gemacht haben, dann reicht das 'Lesen' allein nicht mehr aus. Da brauchst du Führungskonzepte, die tiefer gehen.

Für wen eignet sich 'Körpersprache und Verhalten'?

Wenn die Basis nicht mehr reicht: Der Sprung zu den Profis

Ich erinnere mich an einen Herdenschutzhund-Mix aus meiner eigenen Vermittlung. Er war draußen ein Lamm, aber im Haus hat er jeden Besuch gestellt. Da hilft es dir nur bedingt, wenn du weißt, dass er gerade die Lefzen leicht anhebt – du musst wissen, wie du diese Situation souverän klärst, ohne Gewalt anzuwenden, aber mit einer Klarheit, die dem Hund Sicherheit gibt.

In solchen Fällen greife ich eher zu Kalibern wie Mirjam Cordt. Ihr Programm Führen nach Cordt ist preislich eine ganz andere Hausnummer – wir reden hier von über zweihundert Euro –, aber es ist das Standardwerk für Menschen, die mit 'schwierigen' Hunden wirklich zusammenleben wollen. Wer mehr über meine persönliche Einschätzung zu diesem Tiefgang wissen will, kann in meinem Erfahrungsbericht über souveräne Führung beim Hund nachlesen.

Der BeziehungsBooster-Kurs (/link/beziehungsbooster-kurs) liegt irgendwo dazwischen. Er ist solide, hat viel Umfang, aber mir persönlich fehlt dort manchmal die analytische Kälte, die man braucht, wenn man einen 45-Kilo-Hund an der Leine hat, der gerade beschließt, den Nachbarn zu fressen.

Ein Wort zum 'Freeze' – Die unterschätzte Gefahr

In dem Kurs von Scheller wird das Thema 'Einfrieren' gut behandelt. Das ist für mich der wichtigste Punkt für Tierschutz-Halter. Ein Hund, der starr wird, wird oft als 'brav' oder 'geduldig' missverstanden. In Wahrheit ist es die letzte Stufe vor dem Angriff oder der totalen psychischen Kapitulation.

Ich habe im Tierheim oft erlebt, dass Leute einen Hund streichelten, der völlig starr war. 'Der genießt das', hieß es dann. Nein, der hat Todesangst. Wenn man das einmal verstanden hat – und der Kurs hilft dabei durch die Zeitlupen-Analysen enorm –, ändert sich die gesamte Beziehung zum Hund. Man hört auf, Forderungen zu stellen, und fängt an, zuzuhören.

Wenn du gerade erst anfängst, dich mit einem Angsthund aus dem Tierschutz vertraut zu machen, ist das Wissen um diese Mikro-Signale dein wichtigstes Werkzeug. Es ist wie eine Versicherungspolice gegen Beißvorfälle.

Fazit vom Küchentisch

Man muss die Kirche im Dorf lassen: Ein Online-Kurs ersetzt keinen spezialisierten Verhaltenstherapeuten vor Ort, wenn es bereits geknallt hat. Aber um es gar nicht erst so weit kommen zu lassen, ist das Verständnis der Hundesprache alternativlos.

Desiree Schellers Körpersprache und Verhalten ist für mich die ehrlichste Basisarbeit, die man derzeit online findet. Es ist unaufgeregt, sachlich und verzichtet auf diese 'Wunderheiler-Attitüde', die ich in der Hundeszene so satt habe.

Mein Alter im Hintergrund hat sich gerade auf die andere Seite gedreht. Er schnarcht jetzt leiser. Es hat Jahre gedauert, bis er mir vertraut hat. Nicht, weil ich so toll trainiert habe, sondern weil ich irgendwann aufgehört habe, ihn zu bedrängen, als er mir mit einem winzigen Blick signalisierte, dass es ihm zu viel ist.

Fangt an zu lesen. Es lohnt sich für den Hund – und für eure Nerven. Wer tiefer in die Materie der schwierigen Hunde einsteigen will, sollte sich definitiv auch mit dem Konzept von Mirjam Cordt beschäftigen, besonders wenn Herdenschutz-Gene im Spiel sind. Aber für den Anfang? Lernt das Alphabet.

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